Rezeptideen und Ernährungstipps bei Schluckbeschwerden

Essen ist nicht nur lebensnotwendig und dient der Nahrungsaufnahme, sondern Essen bedeutet auch Lebensqualität und spricht alle unsere Sinne an.

Auf dieser Seite haben wir für Sie Tipps und Erfahrungswerte zusammengestellt, worauf nach einer Kehlkopfoperation zu achten ist.
Unten finden Sie auch einige Rezepte, die uns von Angehörigen zur Verfügung gestellt worden sind. Also Tipps aus erster Hand.

Nach einer Kehlkopfoperation ist Essen ein weiterer Schritt zu einem „normalen“ Leben. Unmittelbar postoperativ ist immer eine Magensonde (über die Speiseröhre in den Magen führend) notwendig. Nachdem die Magensonde bereits in der Klinik gezogen ist, können die Betroffenen wieder selbstständig essen.

Schluckbeschwerden

Die durch die Strahlen bedingten Veränderungen des Mund-, Rachen- und oberen Speiseröhrenbereiches erschweren sehr oft die Nahrungsaufnahme, machen sie schmerzhaft und manchmal sogar unmöglich. Zudem klagen Betroffene häufig, dass sich der Mund- und Rachenraum enger anfühlt, das Kauen oder das Bewegen der Zunge schwerfällt, es an Speichel fehlt und das Essen nicht rutscht.

Grundsätzlich ist bei Schwierigkeiten des Schluckens eine flüssige oder leicht zu schluckende Kost hilfreich. Dennoch kann passieren, dass ein zu trockenes großes, d.h. wenig gekautes Nahrungsstück im Hals stecken bleibt.

Zu jeder Mahlzeit sollte daher etwas getrunken werden. Auch sollte man sich Zeit beim Essen lassen, nur kleine Happen in den Mund führen und gründlich kauen. Zu beachten ist weiterhin, dass Kehlkopflose mehrere Mahlzeiten ab Tag benötigen, da sie verlangsamt trinken und essen und oft zu schnell eine Sättigung erfolgt.

Achtung – nicht zu heiß essen!

Durch die fehlende Belüftung der Nase ist der Geschmack bei Kehlkopflosen stark vermindert und die Verbrennungsgefahr im Rachenraum groß. So können Kehlkopflose nicht mehr Pusten und Schlürfen, um Speisen schnell abzukühlen. Zur Förderung der Speichelproduktion empfiehlt sich, vor dem Essen einen Kaugummi zu kauen, ein mildes Hustenbonbon zu lutschen oder z. B. Wasser im Mundraum zu behalten, damit die Zunge und die Backentasche befeuchtet werden.

Viel trinken!

Es ist unbedingt notwendig, dass der Betroffene über den Tag verteilt genügend trinkt. Nur zu trinken, wenn der Durst sich einstellt, reicht nicht aus. Denn Durst ist ein erstes Alarmzeichen dafür, dass bereits zu wenig getrunken wurde. Ein gesunder Mensch sollte täglich ca. 2 Liter Flüssigkeit zu sich nehmen. Wenn der Speichelfluss in Ordnung ist und der Patient nach der Kehlkopf-Operation keine Bestrahlung bekommt, mag diese Menge auch für einen Kehlkopflosen genügen. Ansonsten sollte die Trinkmenge auf ca. 3 Liter erhöht werden.

Geschmacks- und Geruchssinn

Außerdem werden die Patienten beim Verzehr der ersten Speisen feststellen, dass sie die Lebensmittel gar nicht schmecken können, oder aber der Geschmack anders ist als vor der Operation. Das Schmecken ist ein komplexer Vorgang, für das auch der Geruchssinn entscheidend ist. Beim Einatmen streift die Luft über 10 Millionen Riechzellen. Das Riechen der Spesen und das Schmecken ergeben zusammen erst den Geschmack. Durch die fehlende Belüftung der Nase ist der Geschmack bei Kehlkopflosen jedoch stark vermindert.

Angehörige von Betroffenen schildern uns immer wieder, dass es wichtig ist, die gemeinsamen Essensrituale beizubehalten.

Auch, wenn ein Essen püriert werden muss, ist die gemeinsame Essenszeit ein Stück Lebensqualität. Das hilft auch dabei, gegen die Appetitlosigkeit vorzugehen. Bei vielen Kehlkopflosen stellt sich mit der Bestrahlung oder Chemotherapie ein verminderter Appetit ein. Gegen diese Appetitlosigkeit heißt es anzukämpfen, auch wenn es schwerfällt. Das Auge isst mit. Ein schön gedeckter Tisch und ein hübsch garniertes Gericht regen den Appetit an.

Sie sollten sich auch aufgrund der längeren Kauzeiten etwas mehr Zeit für das gemeinsame Essen nehmen.

Nach anfänglichen Schwierigkeiten gibt es bei den meisten Betroffenen keine Schwierigkeiten mehr mit dem Essen und es gibt nur wenige Speisen, die nicht mehr auf den Tisch kommen können.

Speisen, die sich ohne aufwendiges Kauen leicht schlucken lassen, als Anregung für den Speiseplan:

  • Leberkäse
  • Fischfilet vom Seelachs
  • Omeletts und Rührei
  • Pfannkuchen
  • Kartoffelpüree
  • kurze und breite Nudeln

gut durchgegartes Gemüse in hellen, cremigen Soßen.

Wichtig: Die Gerichte stets mit ausreichend Soße zubereiten!

Es gibt auch Speisen, die nach einer Operation nicht mehr geeignet sind:
Scharfe Gewürze können durch die Entzündung der Schleimhäute brennen.

Gut verträgliche Gewürze sind:

  • Basilikum
  • Dill
  • Estragon
  • Kümmel
  • Majoran
  • Petersilie
  • Rosmarin
  • Schnittlauch
  • Salbei
  • Thymian
  • Zitronenmelisse
  • Zitronenthymian

Nicht vertragen werden hingegen:

  • Cayennepfeffer
  • Chilischoten
  • Curry
  • Muskatnuss
  • Paprika
  • Pfeffer
  • Ingwer
  • Meerrettich
  • Peperoni
  • scharfer Essig
  • scharfer Senf
  • Zitronensaft

Essen in der Öffentlichkeit:

Aus Schilderungen wissen wir, dass die erste Nahrungsaufnahme in der Öffentlichkeit schwierig sein kann. Anfängliche Probleme legen sich aber meist schnell, so, dass die Scheu auf jeden Fall überwunden werden sollte. Es lohnt sich, diese Stück Lebensqualität wieder zu erlangen.

Generelle Tipps:

  • Bei Nudeln immer mal wieder nach kochen, bis die richtige Konsistenz gefunden ist
  • Genügend Sauce hilft damit es „gut rutscht“
  • Suppen mit einer selbstgemachten Rinder- oder Gemüsebrühe kochen. So bleiben die Nährstoffe erhalten
  • Kartoffelpüree ist eigentlich immer eine gute Beilage – bei Gewichtsverlust nicht an Butter und Sahne sparen
  • als Nachspeisen eigenen sich Quarkcreme mit Obst, Joghurt, Pudding oder auch Eis mit püriertem Obst
  • Johannesbrotkernmehl eignet sich zum Soßenbinden und ist dabei zuckerfrei und kalorienarm.
  • Vorsicht bei heißen Speisen. Kehlkopflose können das Essen nicht kalt pusten.
  • Gefrorene Ananasstücke lutschen. Diese wirken abschwellend und entzündungshemmend.

Angehörige von Betroffenen unseres Verbandes waren so freundlich und haben einige Rezepte aus ihrer privaten Sammlung als Inspiration und zum Nachkochen zur Verfügung gestellt:


Eierstich

Geschnetzeltes

Hühnersuppe und Hühnerfrikassee

Kürbiscremesuppe

Lasagne

Markklößchen

Nudeln mit Spargel und Tomaten

Zanderfilet mit Kräuterkruste

Broschüre des LMU Klinikum zum Thema Ernährung bei Kopf-Hals-Tumoren

Ernährung_bei_Kopf-Hals-Tumoren

Bundesverband Kehlkopf- und Kopf-Hals-Tumore e. V.