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Wassersport
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Dürfen Kehlkopflose duschen, baden, schwimmen, Wassersport treiben oder Arbeiten am Wasser durchführen? Ein Bericht von Frau Dr. Anne Marie Langhans-Schönfelder Diplom-Sprechwissenschaftlerin Rehabilitationsklinik Märkische Schweiz Fachklinik für Onkologische Erkrankungen Lindenstr. 68 - 70, 15377 Buckow
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Vor einiger Zeit meldeten Potsdamer Zeitungen, dass in der Brandenburger Region zwei Arbeiter eine Uferböschung zu befestigen hatten. Als ihr Boot kenterte, konnte sich ein Arbeiter nicht retten. Er war kehlkopflos.
Es gibt Unfälle, die meistens tödlich enden, weil den Unfallopfern (und ggf. ihren Begleitern) bestimmte Kenntnisse fehlen. Gemeint sind Menschen mit einem Tracheostoma.
Das Tracheostoma ist eine Öffnung in der Luftröhrenvorderwand. In der Regel gibt es zwei Gründe für das Öffnen der Luftröhre. Ein Noteingriff, die Konitonie, ist angezeigt bei Atemnot mit Erstickungsgefahr auf Grund einer Atemwegsenge bei Larynx- Trachealstenose oder -verletzung. Dabei wird der Conus elasticus (Ligamentum cricothyreoideum) durchtrennt und eine Trachealkanüle eingelegt. Bei der Laryngektomie, also der Totalexstirpation des Kehlkopfes, gehört das Tracheostoma zum Operationsresultat.
Während bei der ersten genannten Patientengruppe das Tracheostoma unter bestimmten Bedingungen geschlossen werden kann, ist es bei laryngektomierten Patienten fast nie möglich. Inspiration und Exspiration erfolgen durch das Tracheostoma, die oberen Atemwege werden für die Atmung nicht mehr genutzt. Das Tracheostoma muss stets unverstellt, d. h. für die Atmung offen sein. Wir sprechen von Halsatmern. Wird der Atmungsprozess unterbrochen, sind ernsthafte Schäden bei dem Patienten bzw. sein Exitus die Folge.
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Zur 1. Frage: Darf der Kehlkopflose duschen?
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Um einem Erstickungstod beim Duschen vorzubeugen, bekommt der Patient einen Duscheschutz. Das Hilfsmittel (s. Abb. 1), wird so um den Hals gelegt und zugeknöpft, dass das Tracheostoma abgedeckt ist. Entscheidend ist, dass der Anhebewinkel der Oberarme durch den operativen Eingriff nicht erheblich reduziert ist. Dann kann der Patient dieses Hilfsmittel nicht als Duscheschutz benutzen. |
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Das zweite Hilfsmittels. (s. Abb. 2), ist auf einen flexiblen Kunststoffteller aufgesteckt. Auf diesem Teller wird eine Einmal-Klebescheibe, (s. Abb. 3), aufgeklebt. Dann wird der Duscheschutz mit der Klebescheibe auf das Tracheostome gelegt und mittels Aufkleben vor dem Tracheostoma befestigt. |
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Der dritte Duscheschutz (s. Abb. 4), wird mit Hilfe eines Pflasters (s. Abb. 5), das um das Tracheostoma aufgeklebt wird, vor dem Stoma befestigt. Zu beachten ist bei den zwei zuletzt genannten Hilfsmitteln, dass das Stoma ein muldenförmiges Aussehen haben und die das Stoma umgebende Epidermis faltenreich sein kann. In diesem Fall muss das Pflaster, ohne Falten zu schlagen, sorgfältig aufgeklebt werden. Wenn bei dem Patienten keine anderen Erkrankungen, z. B. im vestibulären System, diagnostiziert worden sind, kann er gefahrlos duschen.
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Abbildung 4 |
Abbildung 5 |
Abbildung 4 u. 5 |
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Zur 2. Frage: Darf der Kehlkopflose in der Wanne baden?
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Von diesem Vergnügen wird dringend abgeraten. Man bedenke das Ausgleiten, Wegrutschen und Abtauchen bis zum Hals in der nicht einmal gänzlich gefüllten Badewanne. Therapeuten, Familienangehörige o. a. Begleiter verletzen ihre Sorgfaltspflicht, wenn sie dem Patienten ein Wannenbad verordnen bzw. anbieten, und können (bei einem Unglück) gemäß SGB zur Verantwortung gezogen werden.
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In diesem Zusammenhang - der Hinweis: Patienten mit Tracheostoma nehmen nicht am Wassertreten teil, da sie während dieser Prozedur nicht am Arm geführt ggf. gehalten werden.
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Zur 3. Frage: Darf der Kehlkopflose schwimmen?
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Viele Hotels, in der Regel alle Rehabilitationskliniken und so manche Hauseigentümer verfügen über einen Swimmingpool. Der Anblick einer solchen Wasserfläche darf den Kehlkopflosen unter bestimmten Voraussetzungen zum Benutzen des Pools verführen. Folgende Bedingungen müssen eingehalten werden:
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Abbildung 6 |
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1.) Der Badewillige besitzt ein eigens für ihn gemäß EU-Richtlinie 93/42/EWG, Anhang VII, angefertigtes Wassertherapiegerät, (s. Abb. 6). Vor der Benutzung des Wassertherapiegerätes wird der Kehlkopflose, der einen schriftlichen Antrag mit Rezept an eine Hilfsmittelfirma geschickt hat, von einem Wassertherapiebeauftragten des Bundesverbandes der Kehlkopfoperieten eingewiesen. Auf dieser Einweisung bestehen alle Krankenkassen ohne Wenn und Aber. (Übrigens wurde das Wassertherapiegerät unter maßgeblicher Beteiligung des Bundesverbandes der Kehlkopflosen und Kehlkopfoperierten entwickelt und bestand die GM-Prüfung durch den TÜV-Rheinland Product Safety GmbH). |
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2.) Ist der Kehlkopflose nach dem kleinen Lehrgang im Besitz des Wassertherapiegerätes und der „Schwimmerlaubnis” prüft er „seine” Badestelle: |
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a.) Das Wasser muss ruhig sein, es darf keine Wellen geben. |
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b.) Dass Wasser darf nur so tief sein, dass der Badende immer „Grund hat”, dass er im Wasser stehen kann. |
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c.) Die Badegäste in seiner Umgebung sind verständnisvoll, sie planschen und schubsen nicht, sie verunsichern den Kehlkopflosen nicht indem sie gerade ihn vollspritzen, zumal er einen Schnorchel trägt, und sie zwingen ihn nicht zum Sprechen, wenn er mit dem Mundstück-Faltenschlauch schwimmt. |
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PS. Der Wassertherapiebeauftragte des Bundesverbandes der Kehlkopflosen und Kehlkopfoperierten hat Hinweise für den Umgang mit dem Wassertherapiegerät ausgearbeitet. Sie können bezogenen werden unter k.steinborn@t-online.de
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Zur 4. Frage: Darf ein Kehlkopfloser Wassersport mit Booten u. ä. treiben?
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Vom Kanu-, Kajak-, Paddelboot- und Ruderbootfahrten wird dringend abgeraten, auch vom Mitfahren auf einem Angelkahn. Wenn das kleine Boot kentert, ist die Gefahr zu ertrinken sehr groß. In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass Patienten mit einem Tracheostoma auch keine Arbeiten aufnehmen dürfen, die auf einem See oder am Ufer verrichtet werden müssen, wie z. B. das Bauen von Uferbefestigungen, das Einholen von Reusen, das Bauen von Bootsstegen, das Beräumen von Feuerwehrteichen u. ä..
Diese oben genannten Einschränkungen, sich im Wasser zu vergnügen, sind betrüblich. Aber es gibt unendlich viele Beschäftigungen, die sehr vergnüglich sind. Wir werden sie heute - aus Platzgründen versteht sich - nicht benennen.
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