Ernährung bei Krebs. Viele Tumorpatienten essen zu wenig. Das verschlimmert die Folgen der Krankheit noch. Besondere Diäten werden zur Heilung von Tumorerkrankungen immer wieder empfohlen, sagt Professor Hans-Komad Biesalski, Leiter des Instituts für biologische Chemie und Ernährungswissenschaften an der Universität Hohenheim. Doch der Mediziner, der sich in vielen Studien mit dem Zusammenhang zwischen Ernährung und Krebs beschäftigt hat, dämpft mögliche Hoffnungen: "Eine spezielle Nahrung, mit der Krebs direkt bekämpft werden kann, gibt es nicht."
Ganz oben auf der Liste der verbreiteten Irrtümer: der Glaube, durch eine bestimmte Ernährungsweise könnten Tumoren "ausgehungert" werden. "Das ist nicht nur falsch, sondern auch gefährlich. Wir wissen, dass sich die meist schnell wachsenden Tumorzellen ihre Nahrung aus den Bestandteilen der gesunden Zellen rauben. Und zwar ganz unabhängig von der Ernährung des Betroffenen." Weniger Nahrung bedeutet also: Der Tumor holt sich, was er zum Wachsen braucht, aus dem gesunden Organismus. Andere Organe sind dann unterversorgt und können ihre Funktion zunehmend schlechter erfüllen.
Problem Mangelernährung Gerade bei Krebs ist wichtig: Nicht weniger essen als bisher, sondern Lebensmittel mit hohem Nährstoffgehalt wählen. Der Körper muss schließlich mehr denn je seine Abwehrkräfte mobilisieren und Belastungen durchstehen wie beispielsweise schwere Nebenwirkungen von Therapien. Doch genau hier liegt ein Problem. "Viele Tumorpatienten sind mangelernährt", weiß Gudrun Zürcher, Leiterin der Sektion Ernährungsmedizin und Diätetik der Uniklinik Freiburg. Oft sei Gewichtsverlust sogar der erste Hinweis auf eine Krebserkrankung. Im Verlauf der Krankheit nehmen die Patienten oft weiter ab. Therapiefolgen wie Übelkeit und Erbrechen führen zu Gewichtsverlust. Nicht selten wird das Essen durch ein verändertes Geschmacks- und Geruchsempfinden oder durch Entzündungen im Mund- und Rachenraum beschwerlich. Außerdem produziert der Tumor Stoffe, die das Sättigungsempfinden beeinflussen können.
Die Folgen: Bei mangelernährten Krebspatienten kommt es häufiger zu Komplikationen durch Wundheilungsstörungen, zu Infektionen, einem verminderten Ansprechen auf die Chemotherapie und verlängerten Krankenhausaufenthalten. "Der Abbau von Muskel und Fettmasse führt zu Schwäche, Immobilität und in vielen Fällen zu einem verfrühten Tod". Bei Autopsien Krebskranker waren Mangelernährung und schwere Infektionen mit zehn bis 20 Prozent die mit Abstand häufigste Todesursache. Man müsse sich klar machen, was das konkret bedeute, "dass nämlich ein Großteil der Krebspatienten verhungert. Doch das lässt eine Schar selbst ernannter Experten nicht davor zurückschrecken, Betroffenen mit Ernährungstipps wie wenig Fett und viel Gemüse in den Ohren zu liegen."
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Eiweiß und Fett sind wichtig Dabei ist eher das Gegenteil der Fall. Krebskranke sollten auf eine Ernährung achten, die ausreichend Eiweiß und Fett enthält." Magerjoghurt? Halbfettkäse? Darauf können sie getrost verzichten. Der Hohenheimer Wissenschaftler und seine Freiburger Kollegin empfehlen Krebskranken einen Fettanteil von mehr als 35 Prozent bei der Gesamtenergiezufuhr entgegen den von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlenen 30 Prozent für Gesunde. Ideal sind einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren, wie sie in pflanzlichen Ölen vorkommen, zum Beispiel Oliven- und Rapsöl. Auch Milch und Milchprodukte dürfen ruhig etwas gehaltvoller sein. Eine Alternative kann Zusatznahrung sein (Formula-Diäten, Vitamin- und Mineralstoffpräparate), die in unterschiedlicher Zusammensetzung und vielen Geschmacksvariationen angeboten wird.
Speiseplan nach Geschmack Auch Fischöl ist als Nahrungsergänzung für Krebskranke zu empfehlen. Sehr gut geeignet ist die Kapselform, denn so lässt sich auch wirklich die erforderliche Dosis an Omega-3-Fettsäuren erreichen. Studien weisen darauf hin, dass Fischöl helfen kann, den Gewichtsverlust bei Krebs aufzuhalten. Vor allem Patienten mit Pankreastumoren sollen davon profitieren.
Vorsicht ist dagegen bei Multivitamin- und Mineralstoffpräparaten geboten. Während die Gabe vor und nach einer Krebstherapie sinnvoll sein kann, um den täglichen Bedarf zu decken, ist sie während der Behandlung kritisch zu sehen. Neuerdings gibt es Anzeichen für Wechselwirkungen zwischen hoch dosierten Vitaminen und Chemotherapeutika. Auch, dass diese Präparate die Wirksamkeit von Radiotherapien herabsetzen oder sogar aufheben könnten, wird derzeit diskutiert.
Als Faustregel gilt: Sofern keine speziell zubereitete Kostform eingehalten werden muss, etwa, weil eine Operation am Verdauungstrakt stattgefunden hat, sollte die Ernährung des Krebspatienten als "Wunschkost" zusammengestellt werden. Der Patient beobachtet, was er verträgt und was nicht (Ernährungstagebuch!), nimmt im Speiseplan Rücksicht darauf, achtet auf ausreichend Fett, Eiweiß, Kohlenhydrate, Vitamine, Mineral- und Ballaststoffe und auf seinen Geschmack. In Sachen gesunde Ernährung lieber einmal ein Auge zudrücken und den Schwerpunkt vorübergehend auf Genuss verlagern." Also ruhig reichhaltige Soßen und süße Desserts statt Schonkost und Salat? "Warum nicht? Früher oder später erwischt die Appetitlosigkeit fast jeden Krebspatienten. Und dann ist es gut, wenn nicht gleich die Körperreserven angegriffen werden müssen. Quelle: Apotheken Umschau
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