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Kaum eine andere medizinische Disziplin hat sich so rasant entwickelt wie die Strahlentherapie. Immer präziser können die Strahlen heute ausgerichtet werden, um den Tumor gezielt zu zerstören. Über die Bedeutung und die Optimierung der Strahlentherapie sprachen wir mit Professor Dr. Dr. Jürgen Debus, Direktor der Abteilung für Radioonkologie am Universitätsklinikum Heidelberg und Mitglied im Fachausschuss 'Forschung' der Deutschen Krebshilfe.
Wann wird eine Strahlentherapie eingesetzt?
Es gibt grundsätzlich zwei Einsatzgebiete: Man unterscheidet zwischen einer kurativen Therapie, die der Heilung des Patienten dient, und einem palliativen Therapieansatz zur Schmerzlinderung, beispielsweise bei schmerzhaften Knochenmetastasen.
Was sind die neuesten Entwicklungen der Strahlentherapie?
Heute kommen insbesondere Techniken zum Einsatz, die es ermöglichen, Tumoren mit einer sehr hohen Dosis zu bestrahlen. Dies ist bei der intensitätsmodulierten Strahlentherapie (IMRT) der Fall: Damit lassen sich sehr komplex geformte Tumoren mit einer therapeutisch ausreichenden Dosis behandeln. Das umliegende gesunde Gewebe, insbesondere empfindliche Risikoorgane wie Sehnerven oder Speicheldrüsen, können geschont werden. Noch relativ neu ist der Einsatz der Teilchentherapien mit Protonen oder Schwerionen. Diese werden unter anderem bei Tumoren genutzt, die unempfindlich gegenüber herkömmlicher Strahlung sind. Bei bestimmten Knochentumoren der Schädelbasis beispielsweise zeigt diese Therapie exzellente Ergebnisse. Die Teilchentherapie wird derzeit weltweit nur an wenigen Zentren durchgeführt. Die Radioonkologische Klinik der Universität Heidelberg führt die Schwerionentherapie in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Schwerionenforschung (GSI) in Darmstadt durch.
Wie können Nebenwirkungen gelindert werden?
Es gibt eine ganze Reihe von therapeutischen Möglichkeiten, Nebenwirkungen zu lindern. Welche genutzt wird, hängt insbesondere von der Art der Nebenwirkung ab und davon, welche Körperregion bestrahlt wird. Zu den lindernden Maßnahmen gehören vor allem eine gute Hautpflege sowie Medikamente gegen Übelkeit und Schmerzen.
Wie wichtig ist die Zusammenarbeit mit anderen Fachdisziplinen?
Als Radioonkologen arbeiten wir mit allen medizinischen Disziplinen sehr eng zusammen. Diese Kooperation und der Austausch zwischen den Kollegen sind grundlegend für eine umfassende Therapie jedes Patienten.
Gibt es auch niedergelassene Strahlentherapeuten?
Die meisten Strahlentherapien werden in Kliniken durchgeführt. Es gibt aber auch Strahlentherapeuten, die niedergelassen arbeiten. Ob ein Patient ambulant bestrahlt wird oder in eine radioonkologische Klinik geht, hängt von vielen Faktoren ab: unter anderem von der Art der Erkrankung, von der geplanten Therapie, aber auch vom Allgemeinzustand des Patienten.
Deutsche Krebshilfe Heft Nr. 3/2005
Abbildung: Prof. Dr. Dr. Jürgen Debus -
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