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Medizin und Gesundheit

Vorbeugung und Behandlung von Schleimhautschäden und Mundtrockenheit nach Bestrahlung und/oder Chemotherapie im Kopf-/Hals-Bereich

Ein Bericht von:

Frau Dr. Maria Schulz
Schloß - Apotheke, Puschkinstrasse 14, 07586 Bad Köstritz

Herr Dr. Heino Davids, Direktor der Hals-Nasen-Ohrenklinik
Klinikum Lüdenscheid, Paulmannshöher Strasse 14, 58515 Lüdenscheid


Einleitung
Bei Patienten mit Tumoren im Kopf-Hals-Bereich kann man nicht nur onkologische Wertmaßstäbe anlegen, man muss auch psychosoziale Aspekte in die Behandlung einfließen lassen. Nach überstandener Operation ergeben sich für den Patienten mehrfache Probleme, die sein Wohlbefinden deutlich einschränken: Schmerzen, psychische Probleme der Krankheitsbewältigung, mögliche postoperative Infektionen, notwendige Atemübungen, physiotherapeutische Maßnahmen und vor allem auch Probleme im Mundbereich. Letztere induziert durch Zytostatikabehandlung, Operation und Strahlentherapie, können zu schweren Beeinträchtigungen der Mundschleimhaut, einem schnell proliferierenden Zellsystem, führen. Diese ist somit besonders anfällig für Strahlenschäden, hat aber bei einer gezielten Therapie eine schnelle Heilungstendenz.
Durch die operativen Maßnahmen werden natürlich Störungen der Innervation und Permeabilität der Arteriolen und Kapillaren die Folge sein. Ausmaß und Schwere sind ein wesentlicher Ansatzpunkt, lindernd bzw. heilend einzuwirken.

Soorbefall, Ulzerationen der Mundschleimhaut, Entzündungen jeglicher Art, besonders nach Bestrahlung, Schmerzen beim Essen bzw. Schlucken, sowie Mundtrockenheit müssen gezielt behandelt werden, um diesen zusätzlichen Leidensdruck beim Patienten zu mindern. Um diese Patienten mit bestehenden, bzw. akut auftretenden Problemen im Mundbereich nach Operation, Bestrahlung und gleichzeitig bestehendem Faktor XIII-Mangel (Wundheilstörungen) zu helfen, wurden je nach klinischer Situation folgende Mundpflegeprogramme erarbeitet.

Problematik
Mangelernährung ist die häufigste Begleiterscheinung bei bösartigen Erkrankungen im Kopf/Halsbereich und ist Folge eingeschränkter Nahrungsaufnahme, da der Schluckvorgang durch Operation, Bestrahlung und Chemotherapie erschwert ist. Deshalb ist eine wichtige Aufgabe in der Tumornachsorge diese funktionelle Störung zu behandeln. Die Patienten leiden unter Schmerzen, Mundtrockenheit, schlecht heilenden Wunden, Bakterien und Pilzbefall. Durch die Erkrankung und die onkologische Therapie ist die Schleimhaut derart geschwächt, so dass die normalerweise in der Mundhöhle vorkommenden Keime (Bakterien und Pilze) schon bei kleinen Schleimhautverletzungen zu Infektionen führen können. Deshalb ist bei allen Tumorpatienten eine besondere Pflege der Mundhöhle und der Zähne grundsätzlich erforderlich.. Das veränderte Milieu in der Mundhöhle, sowie die Bestrahlung und ggf. Chemotherapie führen zur sogenannten radiochemotherapeutisch bedingten Mukositis und zu Zahnschäden durch Zerstörung des Zahnschmelzes. Empfehlenswert ist es deshalb, zu Beginn der Strahlentherapie die Patienten mit Fluorschienen zu versehen, die zu einem Schutz des Zahnschmelzes dienen. Der Patient selber sollte bei seiner Erkrankung darauf achten, dass er möglichst Vitamin A - reiche Kost zu sich nimmt, da Vitamin A einen besonderen Schutz der Schleimhaut gewährt. Hierzu gehören: Tomatensaft, Möhrensaft, Rote Bete Saft, Gemüsesäfte.

Da die käufliche zu erwerbenden Säfte in der Regel wegen ihrer Gewürzbeimischung nicht vertragen werden, weil sie ein Brennen in der Mundschleimhaut verursachen, empfiehlt es sich den Säften einige Tropfen Speiseöl (Olivenöl Sonnenblumenöl ect.) beizumischen, um den Gewürzen die Schärfe zu nehmen und den Drink gleitfähig zu machen. Wichtig ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, wobei sich Mineralwasser - allerdings als sogenanntes Stilles Wasser besonders eignet zur Regulation des Mineralhaushaltes und zum Schutz der Zähne. Vermieden werden sollten auf alle Fälle alkoholische Mundwässer und chlorhexedinhaltige Spülungen. Auch Spülungen mit Kamillentee führen zu einer Austrocknung der Schleimhäute und sind dementsprechend zu vermeiden. Salbei-Tee hingegen hat einen positiven Effekt auf die Schleimhaut und wirkt befeuchtend. Wichtig ist die regelmäßige Mund- und Zahnpflege, wie sie in dem Mundpflegeprogramm I beschrieben ist. Wöchentliche professionelle Zahnreinigung durch den Zahnarzt ist zu empfehlen. (siehe Ernährung - Mundpflegeprogramm)

Mundtrockenheit - Xerostomie
Die Mundtrockenheit ist für viele Patienten die unangenehmste und am meisten belastende Begleiterscheinung der Bestrahlung. Sie ist Folge verminderter Speichelproduktion, insbesondere wenn die Speicheldrüsen durch die Bestrahlung nahezu ausgeschaltet worden sind. Bei eingeschränkter Schluckfunktion, schlechtem Ernährungszustand findet sich ein gestörter Wasserhaushalt. Verstärkt wir die Mundtrockenheit zudem durch zahlreiche Medikamente, insbesondere morphinhaltige Schmerzmittel, Herz-Kreislauf-Medikamente, Schlaf- und Beruhigungsmittel.
Wichtig ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, die im Durchschnitt 2,5 - 3 L pro Tag betragen sollte:

Empfohlen:

Das häufig verwendete Mucosolvan zur Schleimlösung führt ebenfalls zur Mundtrockenheit. Gut bewährt hat sich die Empfehlung 2 - 3 Tropfen Speiseöl (Oliven- Sonnenblumenöl) in den Mund zu geben. Somit bildet sich eine gleitfähige Emulsion. Die Speichelproduktion kann angeregt werden durch pilocarpinhaltige Tropfen (2% ig) z.B. auch als Augentropfen im Handel oder durch den Apotheker herzustellen, diese sind jedoch verschreibungspflichtig. Speichelersatzmittel sollten großzügig zur Anwendung kommen, wobei flouridhaltiger auf Mucinbasis hergestellter Speichelersatz am geeignetsten erscheint, insbesondere auch zum Schutz des Zahnschmelzes. Bei unseren Patienten findet Saliva Medac die größte Akzeptanz. Weiterhin gibt es Glandosane und Pithyalin, die jedoch bei Tumorpatienten als weniger geeignet erscheinen.

Die konsequente Therapie der Mundtrockenheit verbessert die orale Funktion, so dass die Nahrungsaufnahme erleichtert wird. Die sozialen Aktivitäten werden weniger eingeschränkt, insbesondere das Sprechen - besondere Bedeutung bei kehlkopflosen Patienten. Vermieden werden sollte auf alle Fälle die allgemeine Empfehlung Bonbons zu lutschen, da der Zuckergehalt beim ohnehin gestörten Mundmilieu die Zahnkaries fördert.

Reflux - nächtlicher Magenrückfluss in den Rachen
Einvielfach vernachlässigtes Problem ist der nächtliche gastrooesophageale Reflux (Magensäurerückfluss). Der Rücklauf der Magensäure während der Nacht bis in Rachen und Mundhöhle schädigt die Schleimhaut und führt zu Mundtrockenheit, Reizerscheinungen, Verschleimtsein und erhöhter Infektanfälligkeit. Neben den bekannten prädisponierenden (begünstigenden) Faktoren führt insbesondere abendlicher Alkoholkonsum zu Reflux, ebenso wie späte Nahrungsaufnahme. Weitgehend unberücksichtigt bleibt der medikamentös induzierte (ausgelöste) Reflux. Besonders Herz- Kreislaufmittel, Antidepressivia, Hochdruckmedikamente, Beruhigungs- und Schlafmittel, sowie Schmerzmittel führen zum nächtlichen Säurereflux, insbesondere in liegender Position. Die Behandlung mit Protonenpumpenhemmer, wie Antra bzw. Antra mups, besonders durch die Gabe einer Abenddosis, hat sich in der täglichen Praxis bei diesen Patienten bewährt.

Schmerzen
Schmerzen im Mundbereich verhindern eine ausreichende Nahrungsaufnahme. Unbestritten ist eine suffizente Schmerztherapie wichtig für eine vernünftige Nahrungsaufnahme. Jedoch sollten nur schleimhautschonende Schmerzmittel verabreicht werden, die nicht zu einer lokalen Schleimhautreizung führen (aspirinhaltige Mittel). Hinzu kommt, dass morphinhaltige Schmerzmittel die Mundtrockenheit verstärken. Wir haben gute Erfahrung gemacht mit der Gabe von Cox 2 Hemmern, insbesondere Vioxx bzw. Vioxdolor.

Auch die lokale Gabe von anästhesierenden Schleimhautgel ist in vielen Fällen hilfreich:

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